Campaign of the Month: September 2020

Star Wars - Das Erbe der Jedi-Ritter

[ST147B] Das Gottesurteil

Arrochar, 26 ABY

Kodran.jpg

Nach einem nervenzermürbenden Flug, während dessen Kin Chun auch noch einmal Tifali mittels Telepathie versichert, dass sie hier schon herauskommen werden und dass Deliah wohl einen Plan habe, erreichen sie die Hauptstadt des Königreiches. Grob werden sie nach draußen gestoßen und erblicken eine noch größere, noch prachtvollere Festung mit mächtigen Türmen, prunkvollen Buntglasfenstern und filigranen Reliefs, die den Stein zieren. Der Baron befiehlt, die Gefangenen getrennt in den Kerker zu werfen, damit sie nicht etwa gemeinsam Fluchtpläne schmieden können. So führt man Tifali, Benn und Kin Chun nach unten in einen Zellentrakt, während Deliah in einen anderen Bereich weggebracht wird. Einzeln sperrt man die drei in Zellen und lässt sie von vier Wächtern streng bewachen. Leider erfolglos versucht Tifali trotzig, sich gegen die Wachen zu wehren; mit Schlägen und Elektroschocks wird auch sie – sehr zum Unmut von Kin Chun – zurückgedrängt.

Benn allerdings wird direkt nach ihrer Ankunft noch einmal abgeführt; und auch die aufmunternden Worte, die Kin Chun ihm währenddessen zuruft, sind nur ein schwacher Trost. Man schleift den Vierzehnjährigen vor Baron Dinoga, der ihn offenbar verhören will. Mit Fragen darüber, woher er denn kommt und was er in der Gesellschaft derart gefährlicher Banditen macht, verwirrt er den armen Jungen vollends – was nicht sonderlich schwer ist, hat Benn doch selbst schon längst große Zweifel, ob es wirklich richtig war, die Anderen zu begleiten. Ihre Aktivitäten, seit er sich ihrer Gruppe angeschlossen hat, sprechen jedenfalls nicht gerade dafür, dass es sich bei ihnen um aufrichtige Gesellen handelt. Zudem fuchtelt der Baron bedrohlich mit einem von Deliahs Lichtschwertern vor seiner Nase herum und überzeugt ihn davon, dass diese ja nur von echten Jedi gestohlen sein können, und man ihn allein mit billigen Tricks hat glauben lassen, dass er es mit Machtanwendern zu tun habe. Immerhin soll es sich bei Jedi um Beschützer der Galaxis handeln, nicht um dahergelaufene Piraten. Als der Adlige zu allem Überfluss auf Benns Vater zu sprechen kommt und darauf, wie es Kin Chun gelungen ist, R‘all Hannser dazu zu zwingen, seinen Sohn gehen zu lassen, knickt der Farmjunge endgültig ein. Letztlich geht es Thon Dinoga nicht wirklich darum, ob es sich bei seinen Gefangenen in der Tat um die Rote Sora und ihre Gefolgsleute handelt – er will ein unterschriebenes Geständnis, das ihn vor seinem König gut dastehen lässt, wenn er die vermeintlichen Verbrecher morgen für das Gottesurteil in die Arena werfen lässt. Nach anfänglichem Zögern signiert Benn völlig eingeschüchtert das Papier, ohne den Inhalt gelesen zu haben.

Jedoch wird er anschließend nicht wie erwartet freigelassen, sondern schlicht wieder in seine Zelle geschickt. Sein Versuch, sich gegen die Wachen zu wehren, endet damit, dass er mit einem Schockstab ausgeknockt wird. Wieder zurück im Zellentrakt versichert sich Kin Chun, dass es dem Jungen gut geht; doch der will nichts hören und stammelt schlicht, dass ihn alle immer nur anlügen würden. Offenbar weiß er überhaupt nicht mehr, wem er Glauben schenken soll.

Leise wendet sich Tifali an Kin Chun und fordert ihn auf, gemeinsam einen Ausbruchsversuch zu starten. Jedoch weigert er sich, Deliah zurückzulassen; auch sie noch zu befreien würde nämlich ein zu großes Risiko bedeuten. Und selbst wenn sie entkommen sollten, wissen sie nicht, wie sie alleine von dem Planeten flüchten können. Auch wenn die Antwort der Jensaarai auf telepathische Nachfrage, was der Plan sein soll, nicht unbedingt sehr vertrauenserweckend ist – sie entgegnet nämlich nur, dass sie dies nicht weiß, aber Devin noch ein Ass im Ärmel haben muss, so wie er sie angezwinkert hat – bleibt Kin Chun dabei, dass sie das morgige Gottesurteil einfach auf sich zukommen lassen sollen. Falls alle Stricke reißen sollten, glaubt er, immer noch seine wahre Identität offenbaren zu können, und damit hoffentlich das Schlimmste zu verhindern.

Nach einer unruhigen Nacht, in der lediglich Kin Chun in tiefer Meditation wieder einigermaßen zu Kräften kommen kann, zerrt man früh morgens die beiden Nagai aus ihren Zellen und steckt sie in ein Fahrzeug, das sie wohl zur Arena bringen soll. Benn bleibt indessen alleine zurück.

Man fährt sie an wartenden Massen von Stadtbewohnern vorbei, die allesamt ausgesprochen wütend wirken. Viele bewerfen das Gefährt mit Abfällen und Unrat; schon nach kurzem ist es unmöglich, durch die so beschmutzten Scheiben noch etwas zu sehen. Den Rest des Weges werden sie zu Fuß geführt, wobei man sie an den Haaren reißt, damit auch jeder ihre Ohren sehen kann. Blanker Hass schlägt ihnen entgegen – sie werden als Spitzohren und Alien-Abschaum beschimpft und mit faulem Gemüse sowie Dreck beworfen.

An der Arena angekommen werden sie in die Katakomben gebracht, wo sie auf den Beginn ihres Kampfes gegen den großen Kodran warten sollen. Tifali ist zutiefst besorgt; nach allem, was sie bisher gehört haben, will man sie offenbar gegen eine gewaltige, ausgehungerte Bestie antreten lassen – und bislang hat man ihnen nicht einmal Waffen gegeben. Kin Chun schließt sie in die Arme und redet beruhigend auf sie ein. Schließlich versichert sie ihm, dass sie es schaffen werden – oder sie werden zusammen sterben. Als er bejaht, küsst sie ihn impulsiv auf die Lippen, was beide in einen leichten Rauschzustand versetzt.

Während sie sich noch immer in den Armen halten, kommt ein Aufseher und holt sie mit herablassenden Worten ab. Als er sie zum Kampfareal führt, fragt Kin Chun ihn nach Waffen, worauf der Mann rau lacht und lediglich erwidert, dass sie welche bekommen können, wenn sie sich geschickt genug anstellen. Oben angekommen werden sie zunächst von dem grellen Licht hoffnungslos geblendet. Nachdem das Gitter hinter ihnen erneut versperrt wurde, müssen die beiden Nagai sich erst einmal orientieren. Um eine langgezogene Kampfarena spannen sich zahlreiche Ränge, die zum Bersten mit aufgeregten Zuschauern gefüllt sind. Zwei große Pfähle stehen in der Mitte; an einen von ihnen ist Deliah Blue gebunden – und fast direkt über ihr hängt ein metallener Korb an einem quer gespannten Seil. Kin Chun erinnert sich an die Worte des Mannes, der sie her geführt hat, und vermutet sofort, dass dort drinnen ihre Waffen zu finden sind.

Während sie sich der angeketteten Deliah nähern und Der Jedi seine Gefährtin auf den Korb aufmerksam macht, ertönt eine laute Stimme über zahlreiche Lautsprecher. In höchsten Tönen wird Baron Dinoga für seinen Einsatz und großen Erfolg gelobt; ebenso wird ein Ehrengast, ein Hutte namens Vago willkommen geheißen, der zusammen mit dem Baron und anderen Adligen auf einer mittleren Tribüne Platz genommen hat. Nach ausschweifenden Tiraden über die grausamen Taten der angeblichen, verderbten Piraten und der großen Bedeutung, die deren Gefangennahme hat, kündigt der Sprecher euphorisch den großen Kodran an, der nun das Gottesurteil vollstrecken soll. Dabei vergisst er auch nicht zu erwähnen, dass ihm noch niemals jemand entkommen konnte.

Sogleich öffnet sich auf der Tifali und Kin Chun gegenüberliegenden Seite der Arena ein riesiges Tor; ein ohrenbetäubendes, schrilles Kreischen erklingt, dann gewaltige Schritte, die den Grund erzittern lassen. Die beiden Nagai warten nicht etwa ab, zu sehen, was dort hervor kommt. Unverzüglich beschleunigen sie ihre Schritte. Nachdem ihn die Macht zunächst für einen Moment zu verlassen scheint, gelingt es Kin Chun schließlich doch, übernatürliche Geschwindigkeit zu erreichen. In dem Moment, als die Welt um ihn fast zum Stillstand zu erstarren scheint, hat das Ungetüm gerade die Arena erreicht. Es ist eine meterhohe, echsenartige Kreatur mit krallenbewehrten Klauen, gewaltigen Hörnern und einem furchterregenden Maul voll scharfer Zähne. Kin Chun weiß es in diesem Moment nicht, aber er und die anderen haben es mit einem leibhaftigen Krayt-Drachen zu tun.

Der Nagai-Krieger stürmt weiter voran und hat rasch den Korb erreicht. Mit einem Machtsprung hechtet er nach oben, macht einen Salto und schafft es, sich an den Korb zu hängen. Sofort ergreift er mit der Macht den Inhalt, lässt ihn heraus schweben. Tatsächlich handelt es sich um ihre Waffen. Zu seinem Schrecken muss er allerdings feststellen, dass sehr wohl Deliahs Lichtschwerter da sind; sein eigenes, goldenes hingegen fehlt. Jemand muss es gestohlen haben – vermutlich niemand anderes als Baron Thon Dinoga selbst. In seiner leichten Benommenheit packt er Nata Takis Klinge und lässt anschließend sich sowie die anderen Waffen zu Boden fallen. Ohne großen Schaden zu nehmen kann er sich abrollen und sieht, wie ein Blaster, der ebenfalls unter den Waffen war, auf dem von Kies bedeckten Boden aufschlägt, während Deliahs Lichtschwerter hingegen mitten in der Luft stehen bleiben.

Die Menge tobt; die Zuschauer sind völlig außer sich – und sie wollen Blut sehen. Schon hat die Kreatur die noch immer angekettete Zeltron erreicht, und holt mit einer mächtigen Klaue weit aus, um nach ihr zu schlagen. Gerade kann Tifali noch weghechten und Deliah den Kopf einziehen, da durchschlägt das Monstrum den Pfahl viel zu knapp über ihrem Haupt wie einen dünnen Zahnstocher. Kin Chun eilt zu Tifali, deren Mut sie zu verlassen scheint, drückt ihr das Nagai-Nata in die Hand und versucht, das Ungetüm mit Hilfe der Macht zu lähmen. Doch nichts geschieht; schon holt der Krayt-Drache mit einem grässlichen Schrei ein weiteres Mal aus – plötzlich reißt Deliah sich frei. Ihre Lichtschwerter aktivieren sich wie von selbst und schießen an ihnen allen vorbei durch die Luft. Über dem Kopf der Kreatur, die nur noch Sekunden davon entfernt scheint, sie alle wie Ungeziefer zu zerquetschen, schweben sie für einen kaum sichtbaren Moment; dann schießen beide Klingen hinab und bohren sich tief in den Nacken des Drachen. Ein weiteres, noch schrilleres, gequältes Aufschreien – und der große Kodran sinkt tot zu Boden.

Fassungslose Stille hält für einen atemlosen Augenblick alles umfangen – dann beginnen die Zuschauer, entsetzt und wütend zu schreien. Dies ist eindeutig nicht der Ausgang, den sie sich gewünscht haben. Auch Kin Chun ist überrascht, fasst sich jedoch schnell wieder und packt mit der Macht nach einem der Lichtschwerter – ist er doch bislang völlig unbewaffnet. Jedoch reißt plötzlich eine andere, unsichtbare Kraft daran, und eine Sekunde später hält die Jensaarai neben ihm beide Schwerter in Händen.

Sie haben den Kampf entgegen aller Erwartungen gewonnen, dem Grunde nach das Gottesurteil bestanden. Doch offensichtlich hat niemand ein Interesse daran, ihren Sieg zu würdigen und sie etwa gehen zu lassen. Eine befehlsgewohnte Stimme gibt von oben die Order, die anderen Tiere auf sie loszulassen. Schon öffnet sich ein weiteres Tor, aus dem zahlreiche große, rattenartige Kreaturen hervorstürzen. Eines ist sicher: Auch diese Wesen lechzen nach Blut.

Ärgerlich ruft Kin Chun Deliah Blue zu, dass sie ihm wenigstens eine Waffe lassen könnte. Daraufhin grinst sie schlicht frech und wirft ihm tatsächlich ein Lichtschwert zu. Nachdem er eine Reihe der Biester mit einem Machtstoß zurückgeschleudert hat, steigt um sie herum plötzlich ein Sturm auf. Die Jensaarai lässt Kieselsteine und Staub aufwirbeln und erzeugt damit eine schwer zu überwindende Barriere, die so einige der Tiere in ihren Tod reißt. So halten sie sich zunächst mit der Macht die nicht abreißen wollenden Wellen von blutgierigen Ungetümen vom Hals.

Irgendwann ruft Deliah Kin Chun zu, dass Devin sicher bald auftauchen muss, und sie befreien wird. Dennoch fragt sie den jungen Jedi, wie lange er noch durchhalten kann. Er erwidert, dass er das noch eine ganze Weile kann, beschließt aber zeitgleich, dennoch seine Kräfte ein wenig zu sparen – wer weiß, ob Deliah sich nicht doch in ihrem „Freund“ getäuscht hat. Also gibt er es auf, die verbleibenden Rattenkreaturen zurückzustoßen, und geht gemeinsam mit Tifali in den Nahkampf gegen sie über. Tatsächlich gelingt es ihnen sehr erfolgreich, sich der Wesen zu erwehren, ohne außer zerfetzter Kleidung Schaden zu nehmen.

Schließlich keucht Deliah Blue, die nun doch etwas erschöpft klingt, dass Devin wirklich langsam einmal auftauchen sollte. Als Kin Chun erwidert, dass sie es sicher schaffen werden, auch gegen diese Bedrohung zu bestehen, weist sie ihn darauf hin, dass auch ein weiterer Sieg nur weitere Kämpfe gegen andere Gegner nach sich ziehen wird. Hier interessiert sich niemand für die Ehre, die den Nagai so selbstverständlich erscheint; man wird sie nicht gehen lassen, egal, wie sie sich hier beweisen. Schließlich ist er einsichtig und stimmt dafür, dass sie sich langsam im Auge des Sturms zu dem Tor bewegen, durch das Tifali und er die Arena betreten haben. Während sie sich auf diese Weise zurückziehen und die eine oder andere Kreatur noch zurückschlagen, ertönt von oben plötzlich ein verheißungsvolles Geräusch – tatsächlich senkt sich über ihnen ein kleines, schwarzes Raumschiff auf die Arena herab. Aufgeregt ruft Deliah ihnen zu, dass dies Devin sein muss. Sofort lässt sie den Sturm abklingen, um ihm die Möglichkeit zu geben, nahe genug zu fliegen. Kin Chun ruft ihr zu, dass sie zuerst gehen sollen; also wirft sie zunächst Tifali mit Hilfe der Macht zu der nun geöffneten Ladeluke empor, dann springt sie selbst. Instinktiv spürt der junge Jedi, dass sie die Macht jedoch nicht fest genug greifen konnte und es nicht schaffen wird, also hilft er ihr nach. Nachdem Tifali selbst schon sehr unsanft gelandet ist, stürzt nun auch noch Deliah Hals über Kopf auf sie, als sie sich gerade aufrappeln will.

Plötzlich wird von allen Seiten das Feuer eröffnet; Blasterblitze zucken durch die Luft, schlagen teilweise neben Kin Chun auf dem Boden ein und verfehlen auch ihr Schiff nur knapp. Kin Chun zögert keine Sekunde länger und springt selbst mit Hilfe der Macht hinauf – nur um dem verwegen grinsenden Devin zuzurufen, dass er sofort losfliegen soll, was dieser sich nicht zweimal sagen lässt.

Als jedoch klar wird, dass er sofort Kurs auf den Orbit nehmen will, fragt Tifali nach dem Jungen, nach Benn. Die Zeltron und ihr Freund sind beide dafür, ihn einfach zurück zu lassen, doch Kin Chun macht ihnen schnell klar, dass er weder ohne sein Lichtschwert, noch ohne Benn von hier abfliegen wird. Er hat R’all Hannser sein Wort gegeben, dass er auf seinen Sohn aufpasst, und eher wird er sterben, als dass er sein Wort bricht. Als Devin nicht einlenken will, hält Tifali ihm Nata Takis Klinge an den Hals, worauf er endlich nachgibt. Trotz heftiger Proteste und dem Hinweis, dass sie gerade seinen Plan ruinieren würden, nimmt er schließlich Kurs zurück auf die Stadt und die Festung. Deliah indes versucht Kin Chun klar zu machen, dass sie kaum Zeit haben werden, sobald sie die Feste erreichen. Wie um ihre Worte zu untermalen, steigen hinter ihnen Raumjäger auf, heften sich an ihre Fersen und eröffnen das Feuer. Deliah kann einige von ihnen mithilfe der Macht zum Absturz bringen, dennoch ist ihre Lage mehr als brenzlig. Kin Chun erwidert leicht übermütig, dass sie ihn seinetwegen zurücklassen und alleine abfliegen sollen. Er wird schon irgendwie entkommen – und wenn er sich auf seine wahre Identität als Mitglied des Hohen Rates der Neuen Republik berufen muss; ihn einfach zu töten stellt schließlich immer noch ein Problem dar. Deliah gibt schnippisch zurück, dass er wohl noch immer nicht gemerkt habe, dass die Neue Republik hier niemanden interessiert, und sein Rang vermutlich kein müdes Lächeln wert ist – vor allem nach dem, was sie hier getrieben haben. Selbst in seinem noch immer leicht benebelten Zustand muss der junge Jedi einsehen, dass er sich entscheiden muss zwischen Benn und dem goldenen Lichtschwert der Schattendrachen. Eine Entscheidung, die schwerer ist, als er sich selbst eingestehen will; doch letzten Endes ist sie bereits in dem Moment gefallen, als er sich des Jungen angenommen hat.

Endlich erreichen sie die Festung und springen im Hof ab. Kin Chun eilt sofort zurück zum Kerker, während Tifali die einzelnen Gardisten, die hier zurückgeblieben sind, in Schach hält. Die Tür zum Zellentrakt ist offen; nur ein Wachmann sitzt hier mit dem Rücken zu dieser und drückt gerade gespannt einen altmodischen Funkempfänger an sein Ohr. In gehetztem Ton verkündet ein Sprecher das Ausmaß des Chaos, das die „Piraten“ auf ihrer Flucht durch die Stadt verursacht haben. Eben schildert er, wie sie jetzt gerade die Feste erreicht haben und einige von ihnen offenbar dort eindringen. Innerlich entschuldigt sich Kin Chun bei dem völlig unbeteiligten Mann, dann schaltet er ihn mit einem gezielten Tritt kalt aus. Sofort stürmt er weiter zu Benns Zelle und schneidet das Gitter mit Deliahs Lichtschwert auf. Verstört springt der Junge zurück. Als Kin Chun ihn auffordert, ihm zu folgen, stellt der Jugendliche sich zunächst quer. Sein Vertrauen ist in jeder Hinsicht erschüttert. Auch, als der Nagai ihn an das Versprechen gegenüber seinem Vater erinnert, und daran, wie sehr er sich doch gewünscht hat, zur Flotte der Neuen Republik zu kommen, blockt der Vierzehnjährige ab. Er schenkt Kin Chuns Worten keinen Glauben mehr, hält sie wirklich für Banditen und zweifelt nach Baron Dinogas Einflüsterungen gar an, dass er wirklich ein Jedi ist. Zumindest diese Zweifel kann der Krieger zerstreuen, indem er Benn selbst anhebt und aus der Zelle schweben lässt. Als er jedoch immer noch nicht mitkommen will, fleht Kin Chun ihn praktisch an. Er ist trotz aller Gefahren zurückgekommen und lässt sogar seine Waffe zurück – alles für ihn, für Benn. Denn das Wort, das er R’all gegeben hat, kann er einfach unmöglich brechen. Sobald sie die Zeit dafür haben, wird er ihm alles erklären – aber erst müssen sie diesen Ort verlassen, und zwar jetzt.

Als er Benn mitziehen will und sich dieser mit Verweis darauf losreißt, dass er inzwischen verstehen würde, was Kin Chun mit seinem Vater getan hat, damit dieser ihn gehen lässt, gesteht der Jedi-Ritter alles ein. Er gibt zu, dass er R’all Hannser mit der Macht beeinflusst hat, und beteuert, dass es falsch war, was er getan hat. Doch zugleich kann es nicht Benns Schicksal sein, den Rest seines Daseins auf einer einsamen Farm zu fristen, wenn er sich in Wahrheit ein anderes Leben wünscht, und im Grunde wusste sein Vater dies auch. An der Tür wendet er sich noch einmal zu ihm um, und mit den Worten „Wenn du jemals die Sterne erreichen willst, dann komm‘ jetzt mit mir“, verlässt er den Zellentrakt.

Und Benn folgt ihm.

Wieder bei dem Schiff hilft Kin Chun Tifali hinauf und springt selbst nach oben. Als er sieht, dass Benn auf den Hof gelaufen kommt, zögert er keine Sekunde, greift seinen Körper mit der Macht und zieht ihn zu ihnen ins Innere. Sofort steigen sie auf; keinen Augenblick zu früh, denn schon kommen weitere Jäger angeschossen und versuchen, sie vom Himmel zu holen. Wieder lässt Deliah einige von ihnen abstürzen – doch letztlich bleibt ihnen nichts, als auf Devins Flugkünste zu vertrauen. Und darauf, dass ihr Gefährt das Durchstoßen der Atmosphäre überstehen wird, obwohl sie schon einigen Schaden genommen haben.

Kin Chun indessen sinkt an der Wand des Schiffes in sich zusammen. Der Verlust seines Lichtschwertes wiegt für ihn schwerer, als die anderen verstehen können. Eine solche Waffe ist nicht einfach zu ersetzen – und für ihn als Krieger ist sie mehr als materieller Besitz. Das Lichtschwert, das so oft die einzige, feine Linie zwischen ihm und dem sicheren Tod bedeutet hat… Es ist unweigerlich zu einem gewissen Teil von ihm geworden, ob er es nun selbst gebaut hat, oder nicht. Und doch weiß er, dass er sich immer wieder aufs Neue genauso entscheiden würde.

Schließlich erreichen sie die Atmosphäre. Die Spitze des Schiffes glüht und ächzt, als sie diese in rasantem Flug durchstoßen. Dann wird es dunkel um sie – die Weite des Alls umfängt sie. Vor allem für Benn ist es ein erhabener Anblick, in das Meer von Sternen einzutauchen – etwas, das ihm bisher nur in seinen Träumen vergönnt war.

Doch noch sind sie nicht in Sicherheit, ihre Verfolger noch immer dicht auf ihren Fersen und keineswegs gewillt, von ihnen abzulassen. Unter dauerndem Beschuss erreichen sie schließlich den Mond und sind erleichtert, als die Elegance in Sichtweite kommt. Deliah befiehlt ihrem Droiden-Piloten, das Shuttle im Hangar abzuwerfen, damit sie darin landen können. Als Devin viel zu schnell anfliegt, greift sie selbst ins Steuer und bremst das Schiff mit Hilfe der Macht ab. So landen sie letztlich mit nur leichten Schrammen. Deliah stürmt ohne Umschweife ins Cockpit, wohin ihr die anderen nach und nach folgen. Gegen den Antrieb des Luxusraumschiffs haben die Jäger nun keine Chance mehr; unaufhaltsam schießen sie davon, zum Rande des Systems, von wo sie in das blaue Wabern des Hyperraums eintauchen.

Kaum, dass sie in Sicherheit sind, wendet Kin Chun sich mit harter Stimme an Devin und verlangt sofort eine Erklärung für sein Verhalten. Der Andere grinst verschmitzt und bemerkt, dass die Erklärung genau hier wäre. Dabei zieht er aus seiner Tasche einen taubeneigroßen Edelstein; ein tiefroter, glitzernder Kristall. Stolz verkündet Devin, dass dies das „Herz von Arrochar“ sei, ein fast unbezahlbares Juwel. Fassungslos beobachtet die Gruppe daraufhin, wie der Mann vor Deliah auf ein Knie fällt, ihr seine unsterbliche Liebe schwört, das kostbare Stück zu ihr empor hält und fragt, ob sie ihn heiraten will.

Tifali und Kin Chun tauschen einen ungläubigen Blick, während Benn einfach nur noch mehr verwirrt ist. Deliah indessen schüttelt tadelnd den Kopf. Sie versichert, dass sie ihn auch liebe, wenn auch auf ihre Art. Allerdings weiß er genau, dass sie nicht das geringste Interesse daran hegt, zu heiraten – weder ihn, noch jemand anderen.

Ehe Kin Chun sich wieder ganz fassen und darüber in Rage ausbrechen kann, dass sie für einen derartigen Blödsinn ihre Leben riskiert haben und er nur deshalb seine Waffe verloren hat, überrumpelt Deliah ihn damit, dass sie den Edelstein aus Devins Hand nimmt, und in die seine drückt mit den Worten, dass dies sicher ein guter Kristall für ein neues Lichtschwert wäre. Dann zieht die Zeltron die beiden Nagai zu sich und baut sich mit ihnen zusammen vor Devin auf. Sie betont, mit welchem Einsatz sie ihr beigestanden sind, und dass sie ohne die beiden sicher nicht heil aus der ganzen Sache heraus gekommen wäre. Mit den Worten „Das sind wahre Krieger“ zieht sie Tifali und Kin Chun anschließend in ihr Schlafzimmer.

Kin Chun, noch immer aufgewühlt und überrumpelt, legt das „Herz von Arrochar“ neben der legendären Klinge des Nata Taki auf Deliah Blues Nachttisch ab. Nach allem, was geschehen ist, ist er erst einmal einfach froh, seine vor Dreck starrenden Kleider loszuwerden, und den beiden Frauen in seiner Gesellschaft ergeht es nicht anders. Die Zeltron schlägt vor, doch gemeinsam duschen zu gehen, was das Nagai-Paar gerne annimmt. Aus dem Adrenalin-Cocktail in ihrem Blut und der Anspannung zwischen den dreien wird schnell mehr, als ein noch immer leicht berauschter Kin Chun Tifali unter der Dusche zu sich zieht und beginnt, sie ohne Scheu vor Deliahs Augen leidenschaftlich zu küssen. Eine weitere Kettenreaktion, die in Deliahs geräumigem Bett endet.

Ein betrübter Devin Davvip zerrt währenddessen den völlig überforderten Benn in die Bar der Elegance, wo er dem zerstörten Servicedroiden einen irritierten Blick schenkt, sich dann aber schulterzuckend einfach selbst hinter die Theke stellt. Er schenkt dem Vierzehnjährigen einen Corellianischen‘ nach dem anderen aus und klagt ihm dabei sein Leid. Er liebt Deliah einfach über alles, und er weiß, dass sie früher oder später ja sagen wird – er muss es nur oft genug versuchen. Die Geschichte hier sei eben ein wenig aus dem Ruder gelaufen, als er es in seinem Flirt mit der Prinzessin etwas zu weit getrieben habe. Aber schließlich hat man nicht oft die Chance, eine hübsche Prinzessin abzubekommen. Und das Ablenkungsmanöver mit der „Roten Sora“ hat ja schließlich am Ende wunderbar funktioniert. Immerhin wusste er, dass Deliah das schon schaffen würde. Auch erwähnt er eine andere Geschichte, bei der dieses Manöver wunderbar funktioniert habe; damals, als er diese junge, sexy Kämpferin um den Finger gewickelt, ins Bett bekommen hat und anschließend eine ganze Menge alter Artefakte abräumen konnte, die Deliah unbedingt haben wollte. Wie war doch gleich ihr Name? Jara? Jada?

Dass Benn, der ohnehin mal wieder nur Raumhafen versteht und zudem jetzt noch zum ersten Mal in seinem Leben betrunken ist, ihm gar nicht zuhört, bekümmert Devin wenig. Als der Hochstapler sein Whiskeyglas gedankenverloren in die Luft schweben lässt, gibt der Junge es einfach auf, sich darüber zu wundern.

Am nächsten Morgen räkelt sich Deliah Blue neben Kin Chun und Tifali im Bett und meint, dass sie gar nicht wusste, dass die Küsse der Nagai so berauschend sind; zumindest hatte sie bisher nur vage Gerüchte darüber gehört, dass daran etwas Besonderes sei. Etwas verwundert fragt Kin Chun, ob sie sich wirklich geküsst hätten und er sich das nicht nur eingebildet hat – für gewöhnlich machen sie das nämlich nicht „einfach so“. Lächelnd entgegnet die Jensaarai, dass sie sich dann ja geehrt fühlen kann.

Anschließend beklagt sie seufzend, dass ihnen der zerstörte Droide jetzt Frühstück hätte bringen können. Der junge Jedi erwidert, dass er besagten Droiden ja nicht zerstören wollte, aber sie ihn dazu gedrängt hat. Die Zeltron winkt ab; letztlich war es nur eine Maschine, auch wenn manche glauben, dass selbst diese eine Seele hätten. Kin Chun ist sich was das angeht nicht sicher; immerhin hat er viele Droiden erlebt, die sich sehr unterschiedlich verhalten haben – was die Jensaarai allerdings mit deren Programmierung abtut. Schließlich erhebt sie sich selbst mit der augenzwinkernden Bemerkung, dass die beiden Nagai wirklich wahre Krieger seien – auch im Bett. Während Tifali als Antwort überzeugt nickt, treibt das Kin Chun doch in eine gewisse Verlegenheit, was Deliah allerdings anscheinend süß findet.

Letztlich kümmert die tadellose Gastgeberin sich nach einer kurzen Dusche selbst um die Bedürfnisse der Passagiere an Bord, reicht Devin und Benn ein AlkEx und macht allen Frühstück. Anschließend prüft Kin Chun mithilfe des Code-Zylinders, der ihm mitgegeben wurde, an welchen Orten sich die nächsten Kontaktpersonen befinden, welche die Position der Flotte kennen. Eines ist eine Raumstation, „The Wheel“, das andere ist der Planet Tatooine. Deliah merkt an, dass sie „The Wheel“ kennt; es ist ein großes Casino – allerdings liegt es in einem Sektor, der als von den Yuuzhan Vong überrannt gilt. Es besteht dort durchaus die Gefahr, einer kleineren oder größeren Flotte des Feindes zu begegnen – wofür sie eindeutig nicht gerüstet sind. Tatooine hingegen ist derzeit noch sicher, der Flug dorthin wird dafür jedoch einige Tage mehr in Anspruch nehmen. Sie überlässt die Entscheidung für ihre weitere Flugroute Kin Chun. Es wird ohnehin noch einige Stunden dauern, bis sie ihr erstes Sprungziel erreicht haben.

Comments

Sehr schöne Zusammenfassung und ein gelungenes Zwischenspiel. ^^
Hat Kin Chun am Ende doch einiges abgefordert. ;)

[ST147B] Das Gottesurteil
 

Danke – ich hatte auch echt viel Spaß, sogar beim nochmal zusammen fassen :D

Der Preis ist teilweise etwas hoch, aber auch daraus können sich ja noch interessante Geschichten ergeben ^^

[ST147B] Das Gottesurteil
Grand_Master_Steve